Wenn Pferde gehen müssen

Nichts hält für Ewig, und so wie man sich irgendwann auch von einem geliebten Menschen verabschieden muss, kommt auch eines Tages der Tag an dem man das geliebte Pferd gehen lassen muss.

Für jeden Vollblut-Pferdebesitzer ist die Vorstellung, dass das Pferd ganz ruhig auf der Weide einschläft, eine sehr schöne. Leider ist die Realität oft eine ganz andere und die Pferdebesitzer stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Manchmal kann diese Entscheidung sehr schnell getroffen werden, im Falle eines schweren Unfalles oder einer schweren Kolik. In solchen Fällen steht auch der Tierarzt mit Rat und Tat zur Seite und kann dem Pferdebesitzer sagen wie die Chancen stehen dass das Pferd wieder gesund bzw. ein artgerechtes und schmerzfreies Leben führen wird. Ist dies nicht möglich, wird der Tierarzt den Pferdebesitzer darüber beraten wie man das Pferd am schnellsten und am schmerzfreisten erlösen kann.

Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Pferdebesitzer gezwungen ist, sich ganz bewusst mit dem Thema wann lässt man das Pferd gehen, auseinanderzusetzen. Solche Fälle sind häufig chronische oder sich verschlimmernde Krankheiten. Irgendwann sind alle Therapiemöglichkeiten erschöpft. Wenn sie ihre Wirkung verlieren und die Schmerzen des Pferdes wieder zunehmen, dann liegt es am Pferdebesitzer richtig einzuschätzen, ab wann sein Pferd leidet und sich nur noch quält.

Die Entscheidung

Als Pferdebesitzer eines kranken Pferdes sollte man sich auch schon zu Beginn von diversen Therapien damit auseinandersetzen ob diese Möglichkeiten wirklich helfen oder ob sie nur dazu dienen eine endgültige Entscheidung hinauszuzögern. Die, die noch nie mit so einer Entscheidung konfrontiert waren, sitzen dann auch oft zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite möchte man nicht dass sich das Pferd quält und leidet, andererseits klammert man sich dann an den Gedanken, dass es möglicherweise doch noch Hoffnung gibt. Man denkt, man hat noch nicht alles unternommen. 

In solchen Situationen sind dann auch die Stallkollegen meist keine Hilfe. Wenn ständig jemand mit gut gemeinten Ratschlägen, Ideen usw. kommt, wie man dem Pferd doch noch helfen kann, dann wird die Entscheidungsfindung nicht leichter. Ganz spannend wird es dann, wenn wie fast bei jedem Thema die Gerüchteküche anfängt zu brodeln und man als selbstsüchtig und egoistisch bezeichnet wird, weil man dem Pferd das Gnadenbrot verwehrt. In einigen Ställen, wird man als Tierfeind abgestempelt wenn man laut den Gedanken äußert das Pferd zu erlösen.

Aus Erfahrung ist es das Beste, wenn man auf solche Stimmen nicht hört. Statt dessen kann man sich mit Leuten unterhalten, die mit solchen Themen schon öfter beschäftigt waren.Wer noch kein Pferd töten lassen musste, weiß meist nicht, was im Besitzer vorgeht. Erfahrene Pferdeleute, die schon ein Leben lang mit Pferden zu tun haben, sind in solchen Situationen oft eine Hilfe, da sie meist sehr gut einschätzen können, wie es dem Pferd geht und wie seine Chancen stehen. Die oft recht hart klingende Realität wollen viele nicht hören, sie ist aber meist eine gute Entscheidungshilfe.

Wenn man sich dann durchgerungen hat, hat man noch die Entscheidung zu treffen, wie man das Pferd erlöst.

Einschläfern vs. Bolzenschuss

Das Einschläfern

Beim Einschläfern bekommt das Pferd zuerst eine Beruhigungsspritze. Danach wird eine Kanüle in eine Vene gelegt. Über diese Kanüle bekommt das Pferd dann ein Narkosemittel, das es bewusstlos macht. Erst wenn das Pferd liegt und nichts mehr spürt, bekommt es eine zweite, diesmal tödliche Injektion in die Kanüle.

Die Gefahr beim Einschläfern ist, dass die Narkosemittel nicht immer sofort und richtig wirken. So kann es dazu kommen, dass das Pferd anfängt zu kämpfen, immer wieder zusammenbricht und sich dann wieder hochrappelt. Es kann auch zu Zuckungen und Krämpfen kommen, die für den Pferdebesitzer schrecklich aussehen.

Um solche Szenen zu vermeiden, sollte eine dem Pferd vertraute Person es halten und beruhigen. Auch die Umgebung sollte ruhig sein, da Aufregung die Wirkung der Narkosemittel abschwächen oder aufheben kann. Nach dem Einschläfern muss das Pferd von der Tierkörperbeseitigung abgeholt und entsorgt werden. Da dies mit einem speziell ausgerüsteten LKW passiert, sollte das Pferd an einem Ort eingeschläfert werden, wo es gut abtransportiert werden kann.

Der Bolzenschuss

Klingt extrem, und viele schreien empört auf wenn man sich traut das Wort „Schlachten“ auch nur in den Mund zu nehmen, aber im Grunde genommen kann dies für das Pferd auch eine rasche und schmerzfreie Art zu sterben sein. Für den Besitzer selbst, sieht es brutal aus. Beim Bolzenschuss wird dem Pferd ein 10 cm langer Stahlstift ins Gehirn geschossen welches dadurch sofort zerstört wird. Auf diese Weise wird das Pferd bewusstlos und bricht zusammen. Wirklich tot ist es allerdings noch nicht. Dazu muss es erst noch ausgeblutet werden. Dafür wird mit einem Messer in die Brust gestochen und eine der Schlagadern durchtrennt. Das Pferd verliert dann sehr schnell 10 bis 15 Liter Blut und das Herz hört auf zu schlagen. Kein schöner Anblick, vor allem nicht für den Pferdebesitzer selbst. 

FAZIT

Welche Art der Tötung für das Pferd die richtige ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Beide Arten sind für das Pferd schnell und schmerzlos. Das Einschläfern kann sich hinziehen, ist aber für den Besitzer friedlicher. Allerdings muss man die Entsorgungskosten hinterher bedenken. Beim Schlachten geht alles sehr schnell, es ist allerdings eine recht brutal wirkende Angelegenheit, weil das Pferd zusammenbricht und stark blutet. Erfahrene Pferdemetzger verstehen es die Pferde zu beruhigen und entspannt zu schlachten.

Der Abschied

Egal für welchen Weg man sich entscheidet, man sollte  bei dem Pferd bleiben, bis es tot ist. Nur so kann man sicher sein, dass es wirklich nicht mehr leidet und sich bis zu seinem Ende sicher gefühlt hat. Das Pferd an irgendeinen Schlachter zu verkaufen um sich selbst den Anblick zu ersparen, ist Mist und feige. Begleitet man das Pferd bis zum Schluss, kann man als Pferdebesitzer sicher sein, dass es nicht  einem Schlachttransport quer durch Europa kutschiert wird oder an irgendjemanden weiterverkauft wird.