Es fühlt sich an als wäre es gestern gewesen. Beim Probereiten meines allerersten Pferdes ist es passiert. Eine Runde drehen, in der Halle, einfach mal schauen wie sich das Pferd unter mir anfühlt. Das war mein Plan- Eigentlich hätte es unser Plan sein müssen…Aber: das Pferd hatte seinen eigenen Kopf und natürlich eine bessere Idee.

Gerade eben noch vollkommen entspannt getrabt, ich fühlte mich großartig, der Trab war toll, das Pferd aufmerksam und brav. Plötzlich wurde aus dem entspannten Pferd ein durchgehendes Pferd. Für mich fühlte es sich an als ginge der Tacho von 0 auf 100 in 3 Sekunden, im Schweinsgalopp durch die Halle. Vor lauter Schreck habe ich alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann.

Anstatt die Ruhe zu bewahren, ruhig zu atmen und mich schwer in den Sattel zu setzen, habe ich das komplette Gegenteil gemacht. Ich lehnte mich weiter vor denn ich dachte das gibt besseren Halt. Dann zog ich  an den Zügeln und klammert auch noch  mit den Beinen und gab dem Pferd damit das Signal noch schneller zu galoppieren. Schneller geht es nicht mehr, dachte ich. Doch er hat mich eines Besseren belehrt. Ich dachte, nach ein paar Runden verlässt das Pferd die Kraft- falsch gedacht, das Pferd war voller Power und hat dies auch gezeigt. Irgendwann verließ mich die Kraft und ich fiel vom Pferd. Da das Pferd nun seinen lästigen Reiter losgeworden ist, gab es für ihn keinen Grund mehr zu laufen. Er blieb stehen und grinste (das habe ich mir sicher nicht eingebildet) mich frech an.

Das Probereiten damals ist zwar nicht so toll gelaufen, dennoch habe ich mich für das Pferd entschieden und dies auch nicht bereut. Nach dieser unangenehmen Erfahrung habe ich konsequent begonnen Vertrauen aufzubauen und gemeinsam mit einem Trainer mein reiterliches Können ausgebaut. Kurz, wir haben uns richtig zusammengerauft.

Da das Gefühl des durchgehenden Pferdes und der daraus resultierenden Hilflosigkeit lange in Erinnerung geblieben ist, habe ich beschlossen einen kleinen Ratgeber zu schreiben.

Sei aufmerksam: denn meistens gibt das Pferd schon im Vorfeld Signale dass es gleich einmal durchgehen könnte 

Wenn du merkst dass sich dein Pferd verkrampft und sich aufs Gebiss legt, und der Kopf nach oben geht, dann ist dies genau der Zeitpunkt, an dem du Ruhe bewahren solltest. Vermittle deinem Pferd Ruhe und Sicherheit. Am Besten geht das in dem du normal weiter atmest und dich nicht verkrampfst. Ich habe schon oft gehört dass auch Yogaatemübungen sehr gut helfen sich zu entspannen. Wenn ich merke, es hilft nichts und das Pferd bleibt angespannt, bereit zur Flucht- steige ich sicherheitshalber ab. Man mag mich feig nennen, aber nach etlichen Stürzen und negativen Erfahrungen, beharre ich auf meine Sicherheit und auch auf die meines Pferdes.

Wenn es schon zu spät ist und dein Pferd losprescht und dich ignoriert, dann:

1) Setze dich in den Sattel:

ich weiß, das ist gerade in dieser Situation, in der auch das klare Denken schwer fällt, nicht einfach, ich hab es ebenfalls schon oft genug falsch gemacht! Aber: wenn du dich mit deinem Gewicht fest in den Sattel setzt und dich eher nach hinten lehnst, bremst du dein Pferd aus und signalisierst damit das Durchparieren. Lehnst du dich hingegen im leichten Sitz nach vorne, geht auch dein Gewicht vor den Schwerpunkt. Dein Pferd wird versuchen durch höhere Geschwindigkeit das Gewicht auszubalancieren. Genau das Gegenteil von dem was wir in dieser Situation wollen.

2)Ziehe nicht an beiden Zügeln gleichzeitig:

Das ist absolut kontraproduktiv. Denn damit behinderst du dein Pferd und es wird sich nicht beruhigen. Am Besten versuchst du mit deinem Pferd zu kommunizieren in dem du immer wieder halbe Paraden gibst. (ein Zügel wird angenommen und gleich wieder losgelassen)

3) Volten helfen und bremsen das Pferd aus:

Versuche dein Pferd auf eine große Volte zu lenken (wichtig hierbei: verlagere dein Gewicht noch bevor du dein Pferd herumlenkst). Aus Erfahrung reagieren Pferde eigentlich immer auf die seitwärtsgerichtete Zügelhilfe, auch wenn alles andere ignoriert wird. Wenn das klappt, versuche die Volte immer kleiner werden zu lassen, damit nimmst du deinem Pferd die Möglichkeit das Tempo beizubehalten.

4) Im Gelände:

Wenn dein Pferd im Gelände durchgeht, bleibst du ruhig. (Auch wenn es wirklich schwer fällt), Du redest mit deinem Pferd und versuchst  mit halben Paraden durchzudringen. Setz dich schwer in den Sattel. Wenn es einen Hügel in der Nähe gibt oder einen Hang an dem es ein wenig bergauf geht, versuche dein Pferd dahin zu lenken. Durch die Anstrengung besteht die Möglichkeit dass dein Pferd wieder langsam wird und eher auf dich hört. Im Gelände auch sehr wichtig:  achte darauf die Situation nicht noch gefährlicher zu machen. Lenke dein Pferd nicht Richtung Strasse und auch nicht auf rutschige Böden. Ich weiß, in einer Situation wie dieser fällt dies wirklich schwer, aber für deine und des Pferdes Sicherheit ist das wirklich wichtig.

FAZIT:

Es gibt sicher noch unzählige Möglichkeiten ein durchgehendes Pferd zum stehen zu bringen. Die von mir aufgezeigten Varianten sind die, die ich persönlich anwende wenn die Situation ausser Kontrolle gerät. Natürlich könnte ich euch auch schreiben dass ihr vom Pferd abspringen solltet oder einen Biegestopp hinlegt, damit habe ich persönlich aber keine Erfahrung und halte sie auch für gefährlich wenn ein unerfahrener Reiter diese ausübt.

Hast du bereits Erfahrungen mit einem durchgehenden Pferd gemacht? Wie hast du in dieser Situation reagiert? Hast du ein spezielles „Rezept“ ein durchgehendes Pferd unter Kontrolle zu bringen?