Schulpferde- Pferde zweiter Klasse?

Es ist ja nur ein Schulpferd. . . 

Es hat die Zwei-Klassen-Gesellschaft nicht nur in unserem Gesundheitssystem Einzug gehalten, sondern auch im Reitstall. 

Gemeint sind die Pferde, die die meisten von uns geduldig auf ihrem Rücken ertragen haben. Uns Sicherheit vermittelt haben und uns brav durch alle Prüfungen getragen haben. 

Wenn Reiter das Wort Schulpferd hören, kommt selten Applaus Applaus, sondern mehr so ein mitleidiges: „Oh, wie arm“, ähnlich wird bei Fiakerpferden, Rennpferden und Trabern reagiert.  Man könnte meinen, der gemeine Reiter lernt nur auf misshandelten und abgemagerten Ponys. 

Dabei haben die meisten von uns echt feine Lehrpferde gehabt, die sich echt Mühe gegeben haben uns das Reiten beizubringen. Auch wenns oft ein langwieriges Unterfangen war. Deshalb versteh ich oft nicht warum über Schulpferde oft so schlecht geredet wird. „Ist ja nur ein Schulpferd“, hört man öfter mal…Versteh ich nicht. Ich war froh, als ich in den späten 80ern reiten gelernt habe, dass ich es auf Pferden lernen darf, die Geduld haben und die nicht in jeder Ecke Monster sehen. Oder Panik bekommen weil vor der Nase ein Schmetterling fliegt. 

Und man kann nicht pauschal sagen, dass alle Schulpferde ein mieses Leben haben. Die meisten Schulbetriebe, in denen ich war, haben keinen Unterschied gemacht, ob es ein „Privatpferd“ war oder ein Schulpferd. Wär ja auch deppat. Das Schulpferd ist ja des Schulbetriebes wertvollster Mitarbeiter. Also muss man sich kümmern. Hat damals schon auch die Wendy gesagt.

Verritten, triebig, nicht fein im Maul, und können nix. Das sind so die Dinge die man oft hört von Reitern, wenn die Diskussion losgeht, Schulpferd gut oder schlecht. Aber, im Ernst, ich finde man muss ihnen Respekt zollen. Stell ich mir nämlich schon ziemlich uncool vor, wenn man da jemanden am Rücken herumschleppen muss, der oben hängt wie ein nasser Sack oder wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Der für jede Hilfe einen Übersetzer bräuchte und der meistens Gas und Bremse gleichzeitig einsetzt. Vorne ziehen, hinten treiben ist Scheiße. Und trotzdem, die meisten Schulpferde machen genau den Scheiß tagtäglich brav mit und schießen ihren Reiter nicht permanent ab. Obwohl sie es tun könnten. Meistens bleiben die auch noch stehen wenn sie merken dass der Reiter irgendwie rutscht, weil…wohl zu viel gesoffen.

Früher war das auch oft der Fall, dass sich jemand in sein Lehrpferd verliebt hat und es dem Reitstall abkauft. Find ich persönlich gut. 

Was ich mittlerweile oft beobachte und was mir gar nicht gefällt, ist dass einige Reiter einen deutlichen Unterschied in der Behandlung der Schulpferde machen. Beim Schulpferd wird oft schnell schnell drübergeputzt oder gar nicht geputzt, weil man kommt zu spät und die Stunde fängt ja gleich an und das geht ja nicht. Da knallt man dann schnell den Sattle drauf, festgezurrt bis auf Anschlag….Halfter draufgeklopft, scheiß drauf, wie es sitzt, und los gehts. Nach der Stunde, das Pferd schweißgebadet in die Box rein, kein Trockengehen, kein Hufauskratzen, eventuell noch den Sattel auf den Boden knallen, davon wird das Leder ja besser. Weil. Aber dann beim eigenen Pferd steht man drei Stunden zu früh da, weil. Chichi und Hutschigutschi ziehen in den Stall. Und der Schamane, und der Tierkommunikator. Und wehe der Sattel hat einen Kratzer.

War nie Schulpferd, weil ein ziemlicher Rüppel. 

Folge:

Comments

  1. Dani
    02 Feb / 0:07

    Toll geschrieben! Finde auch, dass man die Schulpferde mehr würdigen sollte. Ich hab meins auch aus der Reitschule gekauft. Wir haben schon so viel erlebt 🙂

  2. 02 Feb / 12:27

    Ich hab auch ein vermutlich ehemaliges Schulpferd. Leider erfüllte er anfangs alle Vorurteile: triebig, hart im Maul, … aber mit viel Geduld haben wir etwas gefunden was ihm Freude bereitet und wir arbeiten täglich daran, dass er feiner wird. Man kann auch mit solchen Pferden noch viel erreichen. Wenn man Zeit und Geduld hat, dann hat man bald das tollste Pferd.

  3. 04 Feb / 18:14

    Die sind dafür aber meistens ziemlich zäh und nervenstark. Ich bin auch der Meinung dass man mit gutem Training jedes Pferd fein reiten kann.

  4. 04 Feb / 18:36

    Danke meine Liebe 🙂 Ich freue mich immer über positive Kommentare.
    Ich glaube, langweilig wird einem auch nie mit einem Pferd 🙂

  5. 21 Feb / 11:08

    Vielen lieben Dank für diesen tollen Beitrag zum Thema “ Schulpferde“. Leider ist es wirklich oft so das die Schulpferde direkt abgestempelt werden, dabei leisten Sie wirklich einen tollen Job. Sie verzeihen, ohne mit der Wimper zu zucken, grobe Fehler und laufen trotzdem Runde für Runde mit Ihrem Reiter. Natürlich werden sie mit der Zeit, wenn Sie nicht zwischendurch Korrektur geritten werden, abgestumpft und fest. Dafür sind die Schulbetriebe aber verantwortlich. Trotz allem finde ich auch, dass die Schulpferde mehr gewürdigt werden sollten und genauso behandelt werden sollten wie jedes andere „Private“ Pferd.

  6. 25 Feb / 14:27

    Liebe Melanie,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich sehe es wie du, Schulpferde leisten einen großen Beitrag und sollten definitiv mehr gewürdigt werden. Aber ich habe auch das Gefühl, dass immer mehr Betriebe erkennen, wie wertvoll eigentlich ein gutes Schulpferd ist. Es ist nämlich nicht so einfach, ein Pferd zu finden, dass zuverlässig ist und auch nervenstark in jeder Situation – vor allem mit Reitanfängern oben drauf. Und wenn man so einen Schatz hat, dann sollte man ihn auch genau so wertschätzen.

    LG, Lily

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.