Warmreiten, Lösen und Abreiten – drei Begriffe die ein und dasselbe Ziel verfolgen. Das Pferd soll optimal auf die eigentliche Arbeitsphase im Training, für den Turniereinsatz oder einen Ausritt sorgfältig vorbereitet werden. Ähnlich wie ein Fussballspieler muss auch das Pferd gut auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet werden. Reiter,die ihr Pferd aus dem Stall holen und dann gleich mit der Trainingsarbeit beginnen, riskieren gesundheitliche Schäden. Eine sofortige hohe Belastung kann beim Pferd Zerrungen oder gar Risse in Muskeln, Sehnen und Bändern auslösen.

Die lösende Arbeit lässt Verspannungen verschwinden, der Stoffwechsel kommt in Schwung, Muskeln und Sehnen werden durchblutet, gelockert und geschmeidig. Nach einiger Zeit werden auch die Gelenke ausreichend mit Gelenksflüssigkeit geschmiert und erreichen so ihre volle Elastizität. Gelenksschäden kann durch gutes Aufwärmen vorgebeugt werden.

Wie lange die Aufwärmphase dauert und wie du sie gestaltest hängt von verschiedenen Faktoren ab
  • Temperatur: Bei kalten Temperaturen ist ein längeres Aufwärmen des Pferdes nötig als im Sommer.
  • Trainingszustand des Pferdes: bei einem untrainierten Pferd sollte die Lösungsphase etwas kürzer sein, da es schneller zu Ermüdungserscheinungen kommt als bei einem trainierten Pferd
  • Alter des Pferdes: ein älteres Pferd sollte generell eher länger und ausgiebiger aufgewärmt werden als ein junges Pferd
  • Warmblut vs. Pony: ein großes, schweres Warm- bzw. Kaltblut braucht etwas mehr Zeit um die Muskelmasse ordentlich aufzuwärmen, als ein kleines, drahtiges Pony.
  • kurzes Pferd: ein Pferd das eher kurz und kompakt gebaut ist, benötigt eine ausgiebigere Lösungsphase da der kurze Rücken schwerer ins Schwingen kommt als ein langer. Diese Pferde neigen ein wenig dazu sich zu verspannen und im Rücken festzuhalten.

FAZIT:

Grundsätzlich sollte man aber die ersten 10 bis 15 Minuten Schritt am hingegebenen oder langen Zügel Warmreiten ohne groß Einfluss auf das Pferd zu nehmen. Schritt reiten bedeutet für das Pferd aber nicht herumbummeln, du solltest schon darauf achten dass dein Pferd fleißig vorwärts geht.

Wenn du und dein Pferd nach diesen 10 bis 15 Minuten entspannt und auch mental konzentriert seid, dann kannst du mit dem Leichtraben in einem ruhigen Arbeitstempo auf beiden Händen mit häufigen Wechseln beginnen. In dieser Phase der Lösung ist es sinnvoll ganze Bahn aber auch große gebogene Linien zu reiten. Engere Wendungen würde ich zu diesem Zeitpunkt noch auslassen. Das Pferd soll fleißig, aber nicht eilig oder gehetzt und in leichter Anlehnung vorwärtstraben.

Ich achte auch immer darauf dass das Tempo passt. Zu langsam ist nicht sinnvoll, da das Pferd dann eventuell zum „Schlurfen“ verleitet wird und die Hinterhand nicht zum Untertreten angeregt wird. Viele Tempoübergänge, also erst Schritt-Trab und Trab-Schritt und später auch Trab-Galopp und Galopp-Trabübergänge sind gut geeignet um das Pferd zu lösen und aufzuwärmen. Durch viele Übergänge kann sich der Rücken des Pferdes gut entspannen und der Reiter kann dadurch besser sitzen und feiner auf das Pferd einwirken. Für die Galopparbeit sind zunächst große Linien und ein frisches Arbeitstempo zu wählen. In der Lösungsphase macht es auch Sinn wenn du dein Pferd im Galopp entlastest und die ersten Runden im leichten Galopp bzw. im Jagdsitz absolvierst.

Mit diesen Übungen löst du dein Pferd zusätzlich:
  • Schenkelweichen
  • Schulterherein
  • Travers
  • Viereck vergrößern und verkleinern
  • Reiten über Trabstangen

Achte darauf dass dein Pferd nicht nur den Hals lang macht, das kann man schnell mal mit dehnen verwechseln. Die richtige Dehnungshaltung kann man sich wie ein  leicht gespannter Bogen vorstellen. Die Nase des Pferdes soll nicht hinter die Senkrechte kommen.

Wenn dein Pferd 
  • zu kauen beginnt und sich leichter Schaum bildet
  • der Pferderücken mitschwingt und du gut sitzen kannst
  • das Pferd gleichmässig atmet
  • der Schweif locker im Takt pendelt
  • und gelegentlich zufrieden „abschnaubt“
Dann hast du alles richtig gemacht…

Übrigens, nach dem eigentlichen Training solltest du nicht sofort absteigen und das Pferd wieder zurück in den Stall bringen. Lass es nach dem Training die Zügel aus der „Hand kauen“ und locker austraben, abschließend noch ein paar Runden Schritt. Zum einen beugt das einen Muskelkater vor und zum anderen kann das Pferd sich nach einem schweißtreibenden Training wieder akklimatisieren.

Kleiner Tipp: nach dem Training am Viereck oder in der Halle kannst du ja das Cool-Down nach draußen ins Gelände verlegen und dort deine Schrittrunde drehen. Das hilft ausgezeichnet den Kopf frei zu bekommen. (Auch beim Pferd :))

 

 

Ich habe für euch ein paar Büchertipps zusammengestellt, die meiner Meinung nach sehr hilfreich für das tägliche Warmreiten und Training sind:

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Wie beginnst du in der Regel dein Training? Worauf legst du Wert wenn du dein Pferd aufwärmst? Über Kommentare und Anregungen freue ich mich wie immer sehr!