nachdem mich dieses Thema selbst schon seit langer Zeit begleitet und auch viele andere Reiter davon betroffen sind, möchte ich diesmal einen Beitrag über die Angst beim Reiten schreiben.

5 Tipps um sie in den Griff zu bekommen

Viele kennen sicherlich das beklemmende Gefühl.wenn man am Pferd sitzt und einem tausend Gedanken durch den Kopf gehen was als nächstes passieren könnte, und meistens geht es da auch schon los. Denn die Unsicherheit wird auch auf das Pferd übertragen. Bevor ich euch Tipps gebe wie ihr eure Unsicherheit in den Griff bekommen könnt, möchte ich euch noch meine Geschichte erzählen.

Begonnen hat alles mit einem schweren Reitunfall in meiner Kindheit. Da ich nicht wieder sofort aufs Pferd aufsteigen konnte, hat sich eine riesige Angst vor Pferden in meinem Unterbewusstsein manifestiert. Jahrelang ging ich nicht einmal in die Nähe eines Pferdes, das ging bis zu meinem 23. Lebensjahr so. Dann bekam ich zum Geburtstag Reitstunden geschenkt mit der Aufforderung meine Angst nun zu überwinden. Die erste Reitstunde war ein Wechselbad der Gefühle…Zum Glück hatte die Reitlehrerin wirklich Verständnis für mich und hat mich behutsam an das Thema Reiten herangeführt. Das Vertrauen zu Pferden wurde mir durch ein ganz besonders ruhiges und braves Pferd zurückgegeben. Trotzdem bin ich regelmäßig, vor allem durch mein erstes eigenes Pferd (hier findest du Tipps was du beim ersten eigenen Pferd beachten solltest) an meine Grenzen gekommen.

Folgende Tipps haben mir persönlich sehr weitergeholfen und ich hoffe dass sie bei euch ebenfalls eine positive Wirkung zeigen werden:

1) Bleib nicht allein mit deiner Angst

Angst beim Reiten zu haben ist nicht peinlich. Ich empfehle dir auf jeden Fall darüber zu reden.  Am Besten mit einer Person der du vertraust und die dir weiterhelfen kann. Mir hat zu Beginn meine Reitlehrerin sehr gut geholfen wieder Vertrauen aufzubauen und Sicherheit am Pferd zu bekommen. Als ich dann soweit war und mein erstes eigenes Pferd hatte, hatte ich dann einen Trainer der mich gefordert bzw. gefördert hat. Vor allem auch in schwierigen Situation war er da.

Wichtig ist auch dass du jemanden hast, der dich aus deinen Komfortzonen herausholt und dich ein wenig fordert, nur so kommst du auch weiter.

2) Mach dir keinen Druck

Denn der löst nur Frustration aus. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen dass es nicht leicht ist, sich permanent mit seiner Unsicherheit auseinanderzusetzen. Und es gibt eben Tage an denen geht es einfach etwas schlechter. Es gab eine Zeit da habe ich mich wirklich gezwungen mich aufs Pferd zu setzen, obwohl ich ein ungutes Gefühl hatte, oder generell schon schlecht drauf war. Das war eigentlich immer eine schlechte Idee und ich würde euch raten es zu lassen. Wenn ihr euch nicht wohl fühlt, dann spürt dass das Pferd und ihr werdet eher unzufrieden wieder absteigen.

Apropos absteigen: es ist keine Schande vom Pferd abzusteigen wenn ihr gerade richtig Angst bekommen habt oder ihr euch bei einem Ausritt nicht wohl fühlt. Meistens entspannt sich die Situation recht schnell wenn man dann ein wenig mit dem Pferd an der Hand spazieren geht, aufsteigen kannst du jederzeit sobald du dich wieder sicherer fühlst. (hier ein paar Tipps wenn das Pferd durchgeht)

Lange Zeit hatte ich auch das Gefühl nicht weiterzukommen bzw. zwei Schritte vorwärts zu machen und dann gleich wieder einen zurück. Lasst euch davon nicht unterkriegen. Geht konsequent euren Weg.

3) Nimm Unterricht, auch auf anderen Pferden

Mir hat es sehr geholfen zwischendurch auf einem Pferd zu reiten von dem bekannt war dass es sehr gelassen und ruhig ist. Ich konnte mit Hilfe meines Trainers hauptsächlich an meinem Sitz arbeiten. Ohne Steigbügel zu reiten war für mich auf meinem eigenen Pferd undenkbar. Ständig habe ich mir Gedanken gemacht was alles passieren könnte und habe mich daher auch ziemlich verkrampft. Dass sich mein Sitz verbessert hat, hat wesentlich dazu beigetragen dass meine Angst weniger wurde. Ich fühlte mich alleine dadurch schon viel sicherer. Hör dich einmal bei dir im Stall um, vielleicht hast du die Möglichkeit auf einem verlässlichen und ruhigen Pferd Reitunterricht zu nehmen.

4) Bodenarbeit schafft Vertrauen

Pferde spüren unsere Angst und werden dadurch auch selbst ängstlich oder verunsichert. Aus dem Kreis herauszukommen ist nicht so leicht. Aber wenn du dich vom Boden aus sicher fühlst, dann ist das ein toller Anfang für Bodenarbeit. Bodenarbeit schafft Vertrauen zwischen Mensch und Pferd. Für das Pferd ist es auch eine sehr gute geistige sowie körperliche Beschäftigung. Außerdem lernst du  langsam dem Pferd wieder zu vertrauen.

5) Entspannungsübungen

Hier eine kleine Geschichte zum schmunzeln: Mein allererster Ausritt mit meinem Pferd. Wir hatten davor schon lange an meinem Problem mit der Angst gearbeitet und nun wagte ich mich an den ersten Ausritt. Ich war damals richtig nervös und komplett angespannt. Die Runde führte nur um den Stall. Dennoch, ich bin eben ängstlich und auch übervorsichtig und  hatte  Bedenken da beim Stall eine stark befahrene Straße vorbeiführt und ich nicht abschätzen konnte wie das Pferd auf die Autos reagiert. Ich saß also komplett verspannt auf dem Pferd und habe mir Sorgen gemacht. Um mich zu beruhigen habe ich begonnen uns eine Geschichte zu erzählen. Mit dem Ergebnis  je länger ich geredet habe, wurde ich immer relaxter.

Sicher klingt es im ersten Moment komisch oder witzig, aber ich kann euch versichern, manchmal wirken kleine Entspannungsübungen oder Atemübungen Wunder. Ein Lied singen oder eben eine Geschichte erzählen, es lenkt euch von euren Gedanken ab. Wie auch immer, probiert es aus.

 

Mittlerweile habe ich meine Angst im Umgang mit dem Pferd gut überwunden. Manchmal habe ich zwar noch ein mulmiges Gefühl, aber ich denke genau dieses Gefühl bewahrt uns auch oft vor bedrohlichen Situationen.

 

Was sind eure Erfahrungen zu dem Thema Angst beim Reiten? Was hat euch geholfen?

Zu Guter letzt, könnt ihr auch Tipps nachlesen wenn euer Pferd durchgeht und ihr Angst habt. Den Beitrag findet ihr hier.

Ich freue mich über eure Berichte.

Lily